"Tradition ist nicht das, was früher war, Tradition ist das, was sich bewährt hat." - Risto Kiiskilä

Als Dojokun bezeichnet man Dōjōregeln oder Regeln für das Training der Kampfkünste. Es sind die Verhaltensregeln innerhalb der Trainingseinheiten. Was innerhalb des Trainings gilt, soll auch Geltung für das Leben außerhalb des Trainings haben.

 

Die Prinzipien der Etikette in Zenkido

 

Im von Gichin Funakoshi aufgestellten Shoto-nijukun, den Verhaltensregeln des Karate steht gegenseitiger Respekt als oberstes Leitmotiv: „Karate beginnt und endet mit Respekt“ heisst es da.

Wenn dieser Respekt in einem Training verloren geht oder gar keine Chance hat, sich erst zu entwickeln, ist das Training mitunter nicht nur geprägt von einer großen Unruhe, sondern auch die Qualität der durchgeführten Techniken wird von den Schülern mit einer inneren Haltung durchgeführt, wie man sie bestenfalls bei einer Schulhof-Prügelei gewohnt ist.

 

Im Dojokun des Zenkido gehen dem Respekt jedoch noch zwei Dinge voraus, nicht, weil sie als wichtiger betrachtet werden, sondern weil sie auf das respektvolle Miteinander hinwirken: Sotchoku (die Bereitschaft zur Offenheit) sowie die Achtsamkeit und somit auch die Aufmerksamkeit.

Die im Zenkido zustande kommenden Lehrer-Schüler-Verhältnisse unterscheiden sich schon in ihrer Anfangsphase von den meisten Kampfkunst- oder Kampfsportvereinen: Im klassischen Shitei (Lehrer-Schüler-Verhältnis) ist die Beziehung basierend auf einer gegenseitigen Freiwilligkeit; der Schüler betritt für gewöhnlich den Dojo (Ort des Lernens) des Lehrers (Sensei), um dort unterrichtet zu werden. Die Motivation geht somit in erster Linie vom Schüler aus und eine grundlegende Bereitschaft und Offenheit ist somit ohnehin schon gegeben.

 

Im Zenkido hingegen gibt es einen pädagogischen Auftrag, der nicht aus der intrinsischen Motivation des Schülers erwächst. Es ist somit nicht schon per se ein Respekt vorhanden, sondern entwickelt sich mitunter erst durch Beziehungsarbeit, Vertrauen, erzieherisches Vorbildverhalten, Spiegeln und einer Reihe weiterer pädagogischer Methoden, die in die körperzentrierte Methode der Kampfkunst integriert sind.

 

Somit versteht sich von selbst, dass nur über langfristige Arbeit überhaupt eine tiefere Bindung entstehen kann, die in der ersten Phase den Respekt zum Lehrer als Ziel hat, in der zweiten Phase den Respekt vor den Trainingspartnern und in der dritten Phase der Schüler diesen Respekt auch außerhalb des Dojo als Teil der inneren Haltung und Überzeugung vertritt.

 

Das Voranschreiten in der Dojo-Etikette ist somit ein eventuell langwieriger, pädagogischer Prozess. Während Anfänger die Regeln des Dojo zunächst nur befolgen sollen, soll den Fortgeschrittenen der tiefere Sinn der Etikette nach und nach bewusst gemacht werden. Erst dann ist die Kampfkunst auch mehr als nur ein „Sport“ und hat die Möglichkeit, sich als Teil der eigenen Überzeugung und der respektvollen Haltung gegenüber den Mitmenschen zu entwickeln.

 



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